ERIC BIBB & STAFFAN ASTNER
Ein fetziges Fest für Folkfans
(Kritik von Monika Salzmann in der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU zum Konzert am 12.11.11)
Wenn Musikfans eigens aus Belgien und den Niederlanden anreisen, um in Lüdenscheid einen Künstler zu erleben, muss dieser etwas Besonders sein. Der New Yorker Folk- und Bluesbarde Eric Bibb, der am Samstagabend im Rahmen der Folkpack-Reihe des Kulturvereins Kalle Begeisterungsstürme im Kulturhaus entfachte, gehört zu diesen Künstlern, für die Fans weite Anreisen in Kauf nehmen.
Hochkonzentriert, völlig eins mit sich und seiner Musik spielte der sympathische Künstler, derzeit auf „Troubadour Live“-Tour, bei seinem einzigen NRW-Konzert auf der Kulturhausbühne auf. Einen kongenialen Partner fand er in dem schwedischen Gitarristen Staffan Astner, der auf der E-Gitarre zauberte und Bibbs mitreißenden Songs ganz neue, verblüffende Klangfarben und einen vollendeten Sound verlieh.
Erstmalig war ein Team des Westdeutschen Rundfunks vor Ort, um ein Folkpack-Konzert aufzuzeichnen. Fast schon ein Heimspiel gab Bibb, der nach dreijähriger Pause auf die Kulturhausbühne zurückkehrte, vor nahezu ausverkauftem Haus. Wie einen guten Freund empfingen Lüdenscheider und Auswärtige ihren Star. Wie im Flug verging die Zeit bei zeitlos schönen Folksongs und Bluesstücken voller Gefühl und Poesie, denen man noch stundenlang hätte lauschen können. Standing Ovations und frenetischer Jubel waren am Ende fast schon eine Selbstverständlichkeit.
Nicht trennen mochten sich die Zuhörer von dem Duo, das – bei aller Virtuosität und Konzentration – eine unglaublich lockere, zwanglose Atmosphäre im Theatersaal schuf. Bereitwillig gaben der charismatische Sänger, Gitarrist und Songwriter mit der „Stimme, für die es sich zu sterben lohnt“ (Times) und sein schwedischer Freund, dessen Gitarrenkünste auf einigen Hundert Alben zu hören sind, dem sanften Druck des Publikums nach und ließen sich zu mehreren Zugaben überreden. Für Folkfans ein Fest, dieses Konzert!
Sehr dezent und einfühlsam passte Staffan Astner das Spiel auf der E-Gitarre dem akustischen Blues von Bibb, der Vorbild für unzählige junge Musiker ist, an. Zwischen beiden Musikern herrschte ausgesprochene Harmonie. Mal melancholisch, mal heiter berührten Bibbs Songs die Seele. Ernsten, traurigen Charakter hatten Lieder wie „Floodwater“, das an die verheerende Mississippi-Flut 1927 erinnerte und allen Hochwasseropfern gewidmet war.Heiteren Anstrich besaßen Songs wie „Pockets“, das vom steten Reisen und dem Leben aus dem Koffer erzählte. Bei „Needed Time“ lockte Bibb jeden, ob er nun singen konnte oder nicht, aus der Reserve. Dem Zauber des Lieds, das Ohrwurmqualitäten besaß, konnte sich keiner entziehen.
Farbig, lebendig, feinfühlig und sensibel kultivierte der international gefeierte New Yorker seinen unverwechselbaren Stil.Unnachahmliche Bühnenpräsenz zeichnete seinen umjubelten Auftritt mit Partner Staffan Astner aus.
LÚNASA
Fingerakrobatik auf der Bühne
(Kritik von Monika Salzmann in der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU
zum Konzert am 18.5.11)
„Germany: douze points!“ Aufs Siegertreppchen hievte die irische Band Lúnasa, von der New York Times jüngst zur „hottest Irish acoustic group of the planet“ gekürt, am Mittwochabend im Kulturhaus ein begeistert feierndes Publikum.
In Anspielung auf den Eurovision Song Contest zeigten sich die fünf Virtuosen, vom Kulturverein Kalle und Markus Scheidtweiler für ein Exklusivkonzert in Lüdenscheid verpflichtet, von ihrer Stippvisite in der Bergstadt höchst angetan. Lob und Anerkennung gab’s für die tolle Bühnenausstattung („Like remains from the Eurovision Song Contest“) und ein Publikum, das für die weltweit beste irische Instrumentalgruppe den roten Teppich auslegte.
Sehr gut besucht war das Folkpack-Konzert des heimischen Kulturvereins, das einmal mehr viele auswärtige Gäste anlockte. Im 13. Jahr laufe die Konzertreihe bereits, erklärte Markus Scheidtweiler vorab. Irische Musik habe in dieser Zeit eher eine Randrolle gespielt. Lúnasa könne jetzt damit prahlen, auch in Lüdenscheid gespielt zu haben, fügte er augenzwinkernd hinzu. Ansonsten stehen Metropolen wie New York, London oder Moskau auf dem diesjährigen Tourplan. Ihrem legendären Ruf machten die fünf Virtuosen – Trevor Hutchinson (Bass), Paul Meehan (Gitarre), Sean Smyth (Fiddle), Kevin Crawford (Whistles) und Cillian Vallely (Uillean Pipes) – bei ihrem mitreißenden, mit Standing Ovations gefeierten Auftritt alle Ehre.
Den Schalk im Nacken hatte dabei Kevin Crawford, der den Moderator gab und dem Konzert mit locker-flockigen Sprüchen eine ungezwungene, heitere Note verlieh. Mit traditionellen und selbst geschriebenen Weisen, traurigen Balladen und überschäumend fröhlichen Stücken verzauberte die irische Kultband – 1996 gegründet – ihr Publikum. Wunderschöne Melodien, die tief im Innern berührten, und sprühend lebendige Tanzstücke, bei denen die Finger nur so über die Instrumente flogen, beinhaltete das zweistündige Powerprogramm. Immer, wenn man glaubte, das Tempo sei ausgereizt, legte Lúnasa noch einen Zusatzgang ein und spielte sich in einen wahren Rausch an wirbelnden, komplexen Klängen hinein.
Mit Tunes von der neuen CD „Lá Nua“ - stets zu Sets aus mehreren Melodien zusammengefasst –und älteren Stücken machte die nach einem altertümlichen keltischen Erntefest benannte Gruppe mit den vielen Gesichtern irischen Folks bekannt. Zugang zu den Jigs und Reels, Märschen, Polkas und Hornpipes, Lieblichem und Rebellischem eröffnete sich über das Gefühl, das – bei aller spieltechnischen Brillanz und Klasse – Herzstück jedes Sets war. Die Seele streichelten wehmütige Melodien wie „Absent Friends“, mit Hingabe, weich und betörend gespielt. Gute Laune forcierten halsbrecherische Parforceritte über Saiten, Whistles und Pipes, wie sie in „Snowball“ und anderen mitreißenden Tunes zu hören waren. Zu fünf oder solo begeisterten die Iren, instrumental perfekt aufeinander eingespielt, mit den typischen Klängen ihrer Heimat.
Eine weitere Kritik zum Lúnasa-Konzert am 18.5.2011 findet sich auf www.celtic-rock.de. Die nachfolgenden Fotos stammen von Jakob Salzmann und Marc Dobrick.
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Rückblick auf die Konzertreihe
Eröffnet wurde die Konzertreihe Folk-Pack im Mai 1999 mit einem ausverkauften Konzert des englischen Duos ‚Show of Hands‘, das damals in Deutschland noch nahezu unbekannt war. Zu den Künstlern, die seitdem in der Reihe gastierten, gehören die englischen Singer-Songwriter Mike Silver, Anna Ryder, Paul Millns, Jez Lowe, Michael Chapman, Julian Dawson und der Ire Kieran Goss. Die legendären englischen Folk-Rock-Bands ‚Plainsong‘ und ‚Albion Band‘ gaben jeweils eines ihrer letzten Konzerte überhaupt in Lüdenscheid, Chris While & Julie Matthews ihr erstes Deutschlandkonzert. ‚Portmeirion‘ wurde über Jahre zur Hausband des Folk-Packs. Julie Fowlis flog exklusiv mit ihrer Band aus Schottland ein, ebenso die All-Star-Band Drever / McCusker / Woomble mit Heidi Talbot, aus den USA kam Kristina Olsen (mit dem australischen Cellisten Peter Grayling). Iain Matthews brachte den New Yorker Songwriter Elliott Murphy mit und ein anderes Mal das niederländische ‚Searing Quartet‘. Eric Bibb öffnete mit einem unvergessenen Abend dem Folk-Pack die Türen des Kulturhauses und die ‚17 Hippies‘ - das großartige Berliner Folkensemble - ließen 600 Besucher in den Reihen des Theatersaals tanzen.
Einige der schönsten Fotos vergangener Folkpack-Konzerte:


